Europameister 2015

Kein Autor hätte diese Geschichte schöner schreiben können. Denn eigentlich begann sie bereits im Januar 2012 als wir in einer kleinen Sporthalle in Berlin standen und ahnten, dass nun ein neues Kapitel aufgeschlagen wird. Nachdem unser langjähriger Trainer Wolfgang Grampp im September 2011 verstorben war, hatte Annette Ziegenhagen-Gielnik den Job übernommen und Gert Hofmann, Trainer der Eiskunstlauf-Formation Team Berlin 1, als Choreographen mit ins Boot geholt. Wie das damals war, haben wir auch in unserem History-Blog beschrieben.

Wir gingen diesen Weg in der Überzeugung, dass es der Richtige sein würde, aber oft genug standen wir vor einem internationalen Wertungsgericht und waren doch enttäuscht, dass es sich nicht auszahlte. Dann kam diese Europameisterschaft…

Europameisterschaft in Bremerhaven

Bereits am Donnerstag reisten wir nach Bremerhaven, um uns vor Ort auf den Wettbewerb am Samstag einzustellen. Wir trainierten am Donnerstag und Freitag unsere überarbeitete Kür zum Thema Scorpions auf der Außenbahn in Bremerhaven. Gert kam am Freitag dazu, um uns und Annette zu unterstützen. Im letzten Training vor dem Wettkampftag gab er uns noch gute Tipps und damit auch viel Sicherheit.

Am Nachmittag gingen wir dann in die Wettkampfhalle, um unser Junioren Dream Team anzufeuern. Bereits am Vormittag hatten wir geholfen, die Mädels entsprechend zu stylen. Die neu formierte Mannschaft startete das erste Mal bei einer Europameisterschaft und zeigte das neue Programm zum Thema „Sister Act“. Sie kamen fehlerfrei durch ihre Kür und strahlten über das ganze Gesicht als sie ihre Noten sahen. Sie mussten nur den drei italienischen Teams den Vortritt lassen und erreichten einen hervorragenden vierten Platz.

Der Wettkampftag

Schon früh ging es an diesem Tag los: 7:30 Uhr frühstücken, dann Haare frisieren, umziehen und ab in die Wettkampfhalle zum offiziellen Training. Wir hatten 20 Minuten Zeit, um uns auf den neuen Boden und die anderen Größenverhältnisse der Fläche einzustellen. Und das gelang sehr gut. Nach ein paar Anweisungen von Annette und Gert fühlten wir uns wohl auf der Bahn.

Danach schauten wir uns noch die Formationen aus Estland und die zweite Formation aus Deutschland, die Sparkling Wheels aus Winnenden, sowie unsere härteste Konkurrenz aus Italien, Sincro Roller, an. Die anderen italienischen Teams konnten wir nicht sehen, aber es war schon klar, dass sie alle sehr stark sein würden.
Anschließend ging es zurück ins Hotel zum Essen und nach kurzer Pause zum Schminken und Haare färben. Scorpions-like durchgestylt ging es dann zurück in die Wettkampfhalle. Als wir dort ankamen, begrüßten uns die mitgereisten Fans bereits mit lautem Jubeln – wie laut würde es erst später werden. Nachdem wir die deutschen Quartette anfeuern konnten, mussten wir uns umziehen und zum Warm-up in die Nachbarhalle, in der wir uns in aller Ruhe vorbereiten konnten.

Nadine zog wie immer ihr Warm-up Programm mit uns durch, wir besprachen die wichtigen Stellen unserer Kür und Gert und Annette gingen mit uns das Programm noch einmal durch. Schon mussten wir unsere Rollschuhe anziehen und hinter dem riesigen blauen Vorhang, der den Backstage-Bereich von der Wettbewerbs-Fläche trennte, verschwinden. Wir hatten Startnummer drei. Während die zwei Teams vor uns liefen, gaben Gert und Annette uns letzte Tipps und dann standen wir da. Vor dem Vorhang, der sich gleich öffnen würde. Die zwei Helfer, die vor uns standen, wünschten uns noch Glück, zogen den Vorhang auf und Begeisterungsstürme empfingen uns. Unser erstes Kommando hörten wir kaum und dann ging es mit unserem ersten „Yeah!“ schon los.

Unsere Kür

Anfangsposition, Stille, Warten auf die Musik und laufen. Schön laufen, Präsenz zeigen, konzentrieren und strahlen. Alles lief reibungslos, bis in der Linie eine Läuferin stürzte. Es war dieser „oh-nein“-Moment, Stille im Publikum und dann noch größere Anfeuerung. Wir setzten unser extra-schönes Lächeln auf und weiter gings. Wir schmissen uns in die Schlusspose und konnten dann nur noch auf die Noten warten. Mit dem Sturz würde es wahrscheinlich nicht für das Treppchen reichen, dachten wir. Und dann kam das:

Wertungsrichternoten bis zu 9,6

Im tosenden Applaus verließen wir die Bahn und verfolgten die restlichen Teams vom Rand aus. Die Estländer kamen ohne Fehler durch die Kür, lagen aber bei den Punkten deutlich hinter uns. Dann kam Sincro Roller mit der neuen Kür, die nun auch deutlich rockiger war. Wie immer sehr schnell und gewagt, aber weniger präzise. Auch sie kamen nicht ohne Sturz durch ihre Kür. Wir warteten gespannt auf ihre Wertung und brachen in Jubelstürme aus als sie hinter uns auf Platz zwei landeten. Seit Jahren hatten wir Sincro nicht mehr geschlagen! Doch es kam noch ein starkes italienisches Team, die ihre Kür fehlerfrei zeigten und noch die Sparkling Wheels aus Winnenden, die wir tatkräftig bei ihrem ersten Lauf auf einer EM anfeuerten.

Dann starrten wir gebannt auf den Bildschirm und warteten auf das Endergebnis, das auf sich warten ließ… und dann:

Wir sind Europameister 2015!

Es ist noch jetzt schwer für uns zu glauben! Nach der Siegerehrung und vielen Fotos, feierten wir mit unseren mitgereisten Fans auf dem Hotelparkplatz und machten anschließend noch den Rummel neben der Stadthalle unsicher. Auf der Raupe feierten wir dann unseren Titel zu „We are the champions“.

Wir sagen Danke an Annette und Gert, die uns so toll auf die EM vorbereitet und währenddessen betreut haben, an den DTS für die Planung des Hotels und alles andere, an die Essensbestellerin, an alle Eltern, die uns immer unter die Arme greifen und last but not least an alle Fans, die uns in der Halle so angefeuert haben, dass uns fast die Tolle weggeweht wäre.

Dankeschön für diesen unglaublichen Moment, der mit Worten kaum zu beschreiben ist.

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